Ab dem 27. September greift in Deutschland das „Dritte Gesetz zur Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)“. Damit wird die EU-Richtlinie EmpCo („Empowering Consumers for the Green Transition“) in deutsches Recht umgesetzt. Unternehmen müssen dann Aussagen wie „nachhaltig“, „umweltfreundlich“ oder „klimaneutral“ klar belegen. Alle Unternehmen sollten jetzt sämtliche Kommunikationskanäle überprüfen und relevante Mitarbeitende informieren.
Vor allem viele Mittelständler hätten das Thema bislang unterschätzt, sagt der Bergisch Gladbacher Nachhaltigkeitsberater Christian Metten von Reimagine2050. „Gerade im Mittelstand werden solche EU-Themen oft viel zu spät wahrgenommen“, erklärt er.
Künftig reichen allgemeine Umweltversprechen ohne konkrete Nachweise nicht mehr aus. Betroffen sind nicht nur Verpackungen, sondern auch Webseiten, Social-Media-Auftritte und Werbematerialien. „Bisher wurden viele Begriffe sehr frei genutzt“, sagt Metten. „Das wird jetzt deutlich schwieriger.“
Besonders kritisch seien pauschale Aussagen wie „grün“, „ökologisch“ oder „klimaneutral“. Stattdessen brauche es konkrete und nachvollziehbare Angaben. „Gehäuse besteht aus 100 Prozent recyceltem Aluminium, das ist eine gute Aussage“, so Metten. „Das ist konkret und überprüfbar.“
Brisant: Die Regelung gilt unabhängig von der Unternehmensgröße. Schon kleine Betriebe können betroffen sein. Händler reagieren bereits vorsichtig und prüfen Produkte deutlich genauer, um Risiken
zu vermeiden.
Um Unternehmen zu unterstützen, hat Metten gemeinsam mit einem KI-Spezialisten einen „EmpCo-Scanner“ entwickeln lassen. Das Tool durchsucht Webseiten oder auch einzelne Dokumente automatisiert nach problematischen Aussagen und liefert konkrete Verbesserungsvorschläge.
Auch QR-Codes könnten künftig eine größere Bedeutung bekommen. Unternehmen müssen Nachweise transparenter zugänglich machen. „Die EU nennt ganz bewusst immer wieder den QR-Code als Möglichkeit“, sagt Metten. „Das kann ein einfacher Weg sein, um konkrete Informationen direkt verfügbar zu machen.“
Der Nachhaltigkeitsexperte sieht darin nicht nur zusätzlichen Aufwand. Wer glaubwürdig und nachvollziehbar kommuniziere, könne sich künftig besser vom Wettbewerb abheben. Gerade im B2B-Bereich spiele das Thema längst eine wichtige Rolle, zum Beispiel bei Finanzierungen, Ausschreibungen oder internationalen Lieferketten.
Dennoch rechnet Metten mit hektischen Wochen vor dem Stichtag. Viele Unternehmen würden vorsorglich Aussagen entfernen, um rechtliche Risiken zu vermeiden. „Die Gefahr ist groß, dass Unternehmen aus Unsicherheit lieber gar nichts mehr kommunizieren“, sagt er. Wer Nachhaltigkeit jedoch konkret belegen könne, habe künftig sogar einen Vorteil.
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