Foto oben: Dieses Gelbe Trikot trug Tour-Gewinner Eddy Merckx 1969.
Im Profil: Herbert Watterott
Wenn man seine Stimme hört, denkt man direkt an den Col du Tourmalet, die Monsteretappe zum Alpe d‘Huez hinauf, an Eddy Merckx, Miguel Indurain und Jan Ulrich. Der Bensberger Herbert Watterott kommentierte 41 Mal die Tour de France, die am 4. Juli zum 113. Mal startet.
Von Klaus Pehle
Wenn Herbert Watterott morgens in Bensberg seine Brötchen holt, wird dem großen, stattlichen Mann immer wieder diese eine Frage gestellt: „Entschuldigen Sie, sind Sie beim Fernsehen?“ Der Grund ist seine prägnante, akzentuierte Stimme, die wohl fast jeder deutsche TV-Zuschauer mindestens einmal gehört hat. 41-mal hat der Fernsehjournalist für die ARD die Tour de France live kommentiert, 28-mal den Giro d‘Italia, dazu über zwei Dutzend Eishockey-Weltmeisterschaften begleitet und 18 Olympische Spiele.
Am 4. Juli startet die Tour in Barcelona und wenn Herbert Watterott von der legendären Frankreich-Rundfahrt erzählt, dann wirkt es, als stünde man direkt am Streckenrand, als höre man das Sirren der Helikopter, erlebe die Dramen, die sich jedes Jahr Etappe für Etappe in Frankreich abspielen.
Geboren ist Watterott 1941 im alten Bensberger Schloss, das damals noch Krankenhaus war. Gelernt hat er Versicherungskaufmann. Doch die Sportbegeisterung ließ ihn bei der Sportredaktion des WDR anklopfen. Nach Jobs als Produktionsassistent, Stationen in München und der Schweiz reiste er 1964 zum ersten Mal zur Tour. 1969 dann der große Moment für den damals 27-Jährigen. Watterott kommentiert seine erste Tour de France und es ist eine ganz besondere. Der Jahrhundertsportler Eddy Merckx fährt zum ersten Mal mit und gewinnt sensationell mit fast 18 Minuten Vorsprung. Watterott erlebt auch die darauffolgenden Tour-Siege des Belgiers 1970, 1971, 1972 und 1974, hat noch heute das Gelbe Trikot von 1969, das Merckx ihm später schenkte.
Aufgrund seiner einprägsamen Stimme und umfangreichem Sachverstand wird der Sportjournalist bei der ARD schnell zur festen Größe. Auch wegen seiner stets akribischen Vorbereitung. „Wer besser informiert ist, kann besser improvisieren“, sagt er. Über vier Jahrzehnte erlebt er am Mikro die Helden und Dramen der Tour: die Tourgewinner Hinault, Indurain, Pantani und Contador, die Doping-Skandale von Stars wie Lance Armstrong oder Jan Ullrich. Seine Stimme ist für Generationen von Zuschauern untrennbar mit dem Radsport verbunden.

3 Fragen an Herbert Watterott
Er ist in Bensberg geboren, lebt heute mit seiner Frau dort. Der bald 85-jährige Sportjournalist war Stammkommentator der ARD für die Tour de France und liebt seine Heimatstadt so sehr, dass er am Mikro nie den Stadtnamen „Bergisch Gladbach“ nannte – immer nur „Bensberg“.
Was macht Bergisch Gladbach lebenswert?
Ja, gut, ich bin hier geboren, das ist meine Heimat. Mir gefällt die wunderschöne Landschaft, hier kann man Sport machen, wandern gehen, schwimmen, laufen, Rad fahren. Das macht Bensberg schon aus.
Und was nicht so?
Naja, dass Bensberg sozusagen untergebuttert wurde bei der Gebietsreform 1975, dass der Name Bensberg in dem Sinne verschwand und alles unter Bergisch Gladbach läuft.
Haben Sie einen Lieblingsort im Bergischen?
Was sehr nett ist, ist Lieberhausen bei Gummersbach. Es gibt eine wunderschöne alte Kirche mit Fresken und eine Gastwirtschaft, wo man sehr fluffigen Kuchen bekommt (lacht).