Top-Thema: Stadtentwicklung
Unter der eher beschaulichen Oberfläche Bergisch Gladbachs verändert sich gerade erstaunlich viel. Neue Verkehrswege werden gebaut, das Zanders-Areal wird entwickelt, die Innenstadt bekommt eine neue Perspektive. Nicht jeder findet das gut. Der Streit um die Laurentiusstraße hat gezeigt, wie kontrovers der Wandel sein kann.
Von Klaus Pehle
Bergisch Gladbach ist keine Stadt, die sich auf den ersten Blick nach großer Veränderung sehnt. Eher nach einem Kaffee auf dem Markt, einem Spaziergang an der Strunde oder einem ruhigen Nachmittag im Grünen. Umso mehr wundert man sich, was hier gerade passiert.
Denn unter der Oberfläche ist Bergisch Gladbach im Umbau. Straßen werden neu geordnet, Plätze bekommen ein anderes Gesicht, auf dem ehemaligen Zanders-Gelände entsteht eine neue Perspektive. Und mit der Laurentiusstraße ist gerade ein Projekt fertig geworden, das für den Wandel in deutschen Innenstädten steht: Mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger. Verbunden ist das mit vielen Diskussionen.
Die neue Laurentiusstraße
Fast ein Jahr lang war die rund 600 Meter lange Laurentiusstraße Baustelle. Sie wurde abschnittsweise umgebaut, um Fuß- und Radverkehr sicherer und übersichtlicher zu machen. Entstanden ist keine klassische Fahrradstraße, sondern eine Verkehrsachse, auf der Radfahrer und Fußgänger mehr Raum bekommen.
Anfang August wurde die Straße wieder freigegeben. Die Arbeiten waren früher fertig und auch preiswerter als geplant.
Damit endet die Debatte allerdings nicht. Die Laurentiusstraße wurde zum Symbol für die Frage, wie Bergisch Gladbach künftig aussehen soll: Wie viel Platz braucht das Auto? Wie viel Raum bekommen Radfahrer? Und wie wichtig sind Parkplätze vor den Geschäften?
Für die einen ist die neue Laurentiusstraße ein Schritt zu einer moderneren und fahrradfreundlicheren Innenstadt. Andere sehen den Umbau wegen Verkehrsführung, Auswirkungen auf Geschäfte oder der neuen Verteilung des Straßenraums kritisch.
Ein neues Quartier auf Zanders
Noch viel größer wird die Veränderung wenige hundert Meter weiter. 3.000 neue Arbeitsplätze und 3.000 neue Anwohner werden auf dem ehemaligen Zanders-Gelände erwartet. Das rund 36 Hektar große Areal gehört zu den größten innerstädtischen Entwicklungsflächen.
Aus dem ehemaligen Industrieareal soll ein Quartier mit Wohnen, Arbeiten, Bildung, Kultur und Freiräumen werden. Damit verändert sich auch die Innenstadt. Wo heute alte Industriegebäude und Freiflächen dominieren, sollen künftig Menschen wohnen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen. Die Verkehrsanbindung bleibt eine Herausforderung.
Am Bahnhof tut sich etwas
Auch rund um den S-Bahnhof deutet sich Veränderung an. Die Deutsche Bahn hat rund 7.000 Quadratmeter zwischen S-Bahnhof und Jakobstraße für Vorarbeiten zum zweiten Gleis hergerichtet. Für die benachbarte seit Jahren geschlossene RheinBerg-Passage bleibt allerdings erst einmal nur die Hoffnung auf eine neue Perspektive.
Schloßstraße schon einen Schritt weiter
Während die Laurentiusstraße gerade erst aus der Baustellenphase herauskommt, ist man in Bensberg schon einen Schritt weiter. Die Schloßstraße ist fertig. Am 25. April 2026 wurde die neugestaltete Einkaufsstraße offiziell eröffnet. Damit ist eine der größten städtebaulichen Veränderungen der vergangenen Jahre abgeschlossen.
Die Schloßstraße war die wichtigste Leitmaßnahme des Integrierten Handlungskonzeptes Bensberg (InHK). Seit dem Baubeginn im März 2023 wurde sie grundlegend umgestaltet. Aus der Einkaufsstraße ist eine „Straße der vielen Begegnungen“ geworden – mit einigen Bäumen, Natursteinflächen, Sitzmöglichkeiten und mehr Aufenthaltsqualität.
Vielleicht hätten ein paar mehr Bäume gutgetan, aber schick ist sie schon, die neue Schloßstraße. Zu den auffälligsten Neuerungen gehört das Fontänenfeld vor der Schlossgalerie mit elf beleuchteten Düsentöpfen. Aber auch hier wurde heftig über Autoverkehr und Parkmöglichkeiten diskutiert.
An allen Entwicklungspunkten gibt es unterschiedliche Auffassungen. Das ist normal: Wer eine Stadt mag, weil sie überschaubar und vertraut ist, kann Veränderungen zunächst als Verlust empfinden. Ein neuer Radweg bedeutet für den einen mehr Sicherheit, für den anderen weniger Parkplätze. Ein neues Quartier schafft Wohnraum, verändert aber zugleich das vertraute Gesicht der Stadt.





