Die neue Regionalstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeichnet für Leverkusen und den Rheinisch-Bergischen Kreis ein differenziertes Bild bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Während Leverkusen durch seine traditionelle, industrielle Stärke und verbesserte Standortbedingungen aufholt, punktet der Rheinisch-Bergische Kreis zunehmend mit Lebensqualität – ein in der Bedeutung gestiegener Faktor, wenn es um Fachkräfte geht.
Von Hanno Kempermann
Eine hohe Lebensqualität in einer naturnahen Umgebung, ein attraktiver Wohn- und Arbeitsstandort zwischen den Metropolen Köln und Düsseldorf: Damit kann Rhein-Berg beim neuen Regionalranking des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) positiv abschneiden. Und das ist nicht unwichtig für die Fachkräftesicherung der Zukunft.
Für das aktuelle Ranking untersuchte das IW bundesweit 400 Landkreise und kreisfreie Städte. Bewertet wurden Niveau (aktuelle wirtschaftliche Stärke) als auch die Dynamik der Entwicklung. Insgesamt flossen 14 Faktoren in die Analyse ein, darunter Kaufkraft, Arbeitsmarktentwicklung, Steuerkraft, Gewerbesaldo und wissensintensive Dienstleistungen. Aspekte wie Sicherheit, Grünflächen oder medizinische Versorgung spielen mittlerweile aber ebenso eine wichtige Rolle.
Besonders deutlich fällt die Entwicklung in Leverkusen aus. Die Stadt gehört bundesweit zu den größten Gewinnern des Rankings und verbesserte sich seit 2016 um 170 Plätze auf Rang 97. Nach Einschätzung des IW profitierte Leverkusen vor allem davon, die eigenen industriellen Kompetenzen konsequent weiterzuentwickeln und gleichzeitig die Standortbedingungen zu verbessern. Als wichtiger Faktor gilt dabei die Senkung des Gewerbesteuerhebesatzes, mit der die Stadt im Wettbewerb um Unternehmen und Investitionen attraktiver geworden ist.
Die schwache Konjunktur in der Chemiebranche wirkt sich auch auf Leverkusen aus. Im Dynamik-Ranking zählt die Stadt deshalb aktuell zu den schwächeren Standorten in NRW. Dennoch sehen die Forscher in der langfristigen Entwicklung ein Zeichen dafür, dass bestehende industrielle Stärken weiterhin ein entscheidender Erfolgsfaktor bleiben können.
Der Rheinisch-Bergische Kreis entwickelt sich dagegen vor allem über sogenannte weiche Standortfaktoren. Die Nähe zu Köln und Düsseldorf, eine hohe Wohnattraktivität und die naturnahe Lage im Bergischen Land machen die Region zunehmend interessant für qualifizierte Fachkräfte und Unternehmen. Gerade in Zeiten flexibler Arbeitsmodelle gewinnen Lebensqualität und Wohnumfeld nach Einschätzung des IW stark an Bedeutung.
Die Studie beschreibt die Rheinschiene ausdrücklich als dynamischen Wirtschaftsraum. Davon profitiert auch der Rheinisch-Bergische Kreis, der sich zwischen urbaner Nähe und landschaftlicher Qualität positioniert. Für viele Unternehmen wird genau diese Kombination immer wichtiger: wirtschaftliche Vernetzung auf der einen Seite, attraktive Lebensbedingungen auf der anderen.
Gleichzeitig macht die Untersuchung deutlich, dass erfolgreiche Regionen nicht auf einen radikalen Strukturwandel setzen, sondern vorhandene Stärken gezielt ausbauen. Genau darin sieht IW-Regionalexperte Hanno Kempermann eine Erkenntnis der Studie. Regionen mit langfristigem Erfolg würden bestehende Kompetenzen weiterentwickeln und an neue wirtschaftliche Rahmenbedingungen anpassen.
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